Rotkäppchens Rot

Wovor ich in meinem Leben bislang am meisten Angst hatte: Ganz ich selbst zu sein.

 

Das war mir bisher nicht bewusst. Es macht mir immer noch eine Heidenangst, aber ich bleibe deshalb trotzdem auf meinem Weg nicht stehen. Jeder Tag ist voller Abenteuer. Ich gehe mit leisen und kleinen Schritten weiter. Wie Rotkäppchen, das seinen Schatz im Korb dabei hat und ihn fest an sich drückt. 

Dann raschelt es im Gebüsch. Sie horcht. Mit mutigen roten Schuhen setzt sie einen Fuß vor den anderen und lässt sich nicht beirren.

 

Es ist nicht immer der Wolf, der auf den Weg heraus tritt. Es kann die Gestalt wechseln. Den Wolf kenne ich und manchmal verwickele ich ihn in ein Gespräch. Mit ihm auf einer Picknickdecke zu sitzen und den Kuchen für die Großmutter zu essen, macht ihn sehr viel weniger gefährlich. Wir lachen zusammen, besonders über Märchen.

Er lässt sich streicheln, ja, aber er beißt auch zu, dass es blutet.

Ein Kapitel für sich, der Wolf.

 

Die große Einsamkeit schwebt eher wie ein Dementor aus einem Harry-Potter Film auf meinen Weg und färbt gleich die ganze Umgebung ein. Wie ein kalter Nebel. Was da hilft, ist die Sonne in mir. Sobald ich mich an sie erinnere, löst sie den Nebel in Luft auf.

 

Die Sonne – und da lasst mich mal ganz genau sein – besteht nicht aus einem Helium-Kern, sondern aus vielen wärmenden Gedanken. Schutz, Geborgenheit, Zugehörigkeit. Liebe natürlich. Na gut, vielleicht doch auch aus Helium. Wer kennt sich so tief im Innern schon aus?

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