Erfüllen statt herrschen

Über ein Jahr fehlten mir die Worte zu beschreiben, was mit der Welt und in mir geschieht. Ein Virus veränderte die Welt und die Angst veränderte, wie wir Menschen miteinander umgehen. Es wird inzwischen immer mehr darüber gesprochen, was für unser seelisches Wohl gesund ist, nachdem es sich lange nur um unseren körperlichen Schutz drehte. Das bringt mir das Leben und die anderen Menschen wieder näher. In meinen Augen sind wir keine körperlichen Wesen, die eine seelische Erfahrung machen, sondern Seelen, die eine körperliche Erfahrung in dieser Welt machen. Diese Reihenfolge ist für mich sehr wichtig.

 

Als Philosophin hat mich immer die Frage beschäftigt, WIE wir leben. Es lösen sich zunehmend alte Gewissheiten auf oder sie geraten in sehr spaltenden Weise aufeinander. In einem Ton, in einer Qualität, wo mir als Zuschauerin schnell deutlich wird, dass daraus nichts Gutes entstehen kann. Im Wie der Welt erlebe ich besonders im letzten Jahr zwei grobe Tendenzen, wie Menschen miteinander umgehen: Die eine ist geprägt von Härte, Druck und einem spürbaren Wunsch, den Anderen und seine Welt zu überstimmen, zu überzeugen und oftmals mit Worten zu überwältigen. Als ob die eigenen Werte so sehr in Bedrängnis geraten sind, dass ich keine andere Möglichkeit, die Welt zu sehen, ertrage. Und dann spüre ich im anderen Fall eine Art von Offenheit und Wärme, zu zulassen, dass der Andere möglicherweise  auch eine Form von Wahrheit denkt, fühlt und lebt - auch wenn sie mit meiner nicht übereinstimmt.

 

Diese zwei Möglichkeiten, auf die Welt zuzugehen, gehören nicht zu der einen oder der anderen Art Mensch. Sie liegen in uns und je nach Kraft und Bewusstheit kann ich in die eine oder andere Qualität eintauchen. Mir fällt die Wahl um einiges leichter, seit mir dieses Spiel von Licht und Schatten klarer wurde. Ich möchte mich darauf konzentrieren, meine menschlichen und seelischen Aufgaben zu erfüllen. Dem "Anderen" kann ich dann seine Erfahrungen, Entscheidungen und Werte lassen. Oder wie die Kölnerin in mir sagen würde: Leeve und leeve losse.

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